Wie fotografiert man einen Superstar?
Mein Shooting mit Willem Dafoe – 3 Minuten, 12 Fotos, mein Shooting Abenteuer
Anruf im Fitnesscenter.
Ich stand gerade am Stepper im Fitnesscenter, als mein Handy klingelte. Alexander Kern, ein bekannter Journalist vom Freizeitkurier war dran. Ich habe ihn schrecklich schlecht verstanden – denn der Empfang war miserabel – aber ich habe gehört morgen hat er einen Interviewtermin mit dem Hollywood-Star Willem Dafoe, im Rahmen der Viennale und hat gefragt ob ich mitkommen möchte, um die Fotos zu machen.
Natürlich habe ich sofort zugesagt.
„Aber Barbara – es kann sein, dass er sich’s anders überlegt und doch nicht fotografiert werden möchte. Vielleicht kommst du umsonst“
Okay, das Risiko war überschaubar und ich habe diesem Abenteuer trotzdem sofort zugesagt. Tags darauf treffen wir uns gegen 17 Uhr in der Lobby im Hotel Intercontinental.
Die Vorbereitung: möglichst unsichtbar
Das Interview fand in einem Hotelzimmer im Intercontinental Wien statt – in jenem Hotel, das übrigens eine wesentliche Rolle in Willem Dafoes neuen Film „The Souffleur“ spielt, in dem er Lucius, den Hoteldirektor, verkörpert.
Wir waren die ersten und durften bereits kurz vor dem Interview in den Raum. Also habe ich die Zeit genutzt, mir überlegt welche Pose Mr. Dafoe einnehmen könnte. Mir die Kameraposition gemerkt. Blitzeinstellungen getestet und gespeichert. Dann – den Blitz weggestellt. Damit er ihn beim Reinkommen nicht gleich sieht.
Alexander Kern war das besonders wichtig, denn wenn Herr Dafoe den Raum betritt und das Zimmer aussieht wie eine Foto- Studio, ist das Shooting vorbei, bevor es begonnen hat.
Dann habe ich vor dem Hotelzimmer gewartet. Alexander hat drinnen gewartet und sich auf sein Interview vorbereitet.
Lampenfieber vor der Tür
Ich habe Mr Dafoe kurz gesehen – er kam aus dem Lift hat mir kurz zugenickt und ist am Gang an mir vorbeigegangen, Richtung Interview-Zimmer, schnellen Schrittes. Präsent. Konzentriert. Kleiner und zarter, als man ihn aus seinen Rollen kennt. Der Vollbart war ein Look, den ich so von ihm nicht kannte. Das Interview dauerte gefühlt ewig.
Und dann kam die Nachricht: Er lässt sich fotografieren….und Action!
3 Minuten. 12 Fotos. Alles anders
Ich habe das Interview Zimmer betreten, habe ihn begrüßt. Er mich auch, dann hat er gefragt: „What are we going to do now? Wie soll das sein?“
Nun habe ich meinen vorbereiteten Vorschlag erklärt.
Er fand ihn überhaupt nicht gut und hat sich kurzerhand vor das Viennale-Plakat gestellt, das im Zimmer aufgestellt war. Fertig. Das war jetzt sein Platz. Genau das wollt ich vermeiden, denn das Plakat war sehr unruhig.
Meine gesamte Lichtvorbereitung passte nun natürlich auch nicht mehr zu dieser Position. Aber mit Herrn Dafoe diskutiert man nicht😉 und es gab keine Zeit zum Umbauen. Ich habe alles so schnell wie möglich angepasst, und den Hintergrund schon geistig wegretuschiert.
Eines meiner kürzesten Shootings 2-3 Minuten
12 Fotos insgesamt. 4 davon unscharf, weil der Raum wirklich sehr dunkel war und der Autofokus gekämpft hat. Auf einigen waren die Augen nicht ganz offen. Am Ende blieben 4 bis 5 Bilder, mit denen man arbeiten konnte.
Die Nachbearbeitung im Style des Filmes
Als erstes habe ich den Hintergrund getauscht, dann die Farben so bearbeitet, dass sie den Bildstil des Films widerspiegeln. Das Porträt sollte nicht nur ihn zeigen – es sollte einen Bogen schlagen zu seiner Rolle, und damit zum Inhalt des Interviews. Ein Foto, das Kontext hat
Exklusive Fotos
Ich war an diesem Tag die einzige Fotografin, die Mr. Willem Dafoe im Rahmen dieser Viennale-Interviewserie porträtieren durfte. Es sind also exklusive Bilder – entstanden unter echtem Erfolgs- Druck, in 3 Minuten.
Barbara Nidetzky ist Fotografin in Wien für Business-Shootings, Werbekampagnen, Mode-Editorials und Personal Branding – in Österreich und Deutschland.
→ www.barbaranidetzky.com